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Gedenkkolloquium am 24. Juli 2015 auf dem Sand

(für Programm und Anmeldung bitte auf das Bild klicken)

         In memoriam Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing.Eh. Wolfgang Straßer, 10.8.1941 – 24.1.2015

Mit Wolfgang Straßer verlieren wir einen großartigen Menschen und hervorragenden Wissenschaftler und Lehrer, der sich mit großem Einsatz und Erfolg hohe Verdienste um die wissenschaftliche Disziplin der Computergraphik erworben hat und sie in Deutschland wohl am stärksten geprägt hat.

Der gebürtige Metzinger studierte Nachrichtentechnik an der TU Berlin, arbeitete drei Jahre als Ingenieur bei Nixdorf und promovierte 1974 bei Wolfgang Giloi. In seiner Dissertation beschrieb er als erster das bekannte Z-Buffer-Verfahren, das heute von fast jedem computergraphischen System vom Handy bis zur Workstation zur Ausgabe von 3D-Graphik verwendet wird. Vor seiner Tätigkeit als C3-Professor an der TU Darmstadt war er Abteilungsleiter am Heinrich-Hertz-Institut in Berlin. 1986 wurde er als ordentlicher Professor an die Eberhard-Karls-Universität Tübingen berufen. Dort baute er mit vollem Einsatz den damals noch in der Fakultät für Physik angesiedelten Lehrstuhl Graphisch-Interaktive-Systeme am Wilhelm Schickard-Institut für Informatik (WSI/GRIS) auf und wurde zu einem der Gründerväter der Tübinger Informatik.

In den 23 Jahren unter seiner Leitung wurden von ihm und seinen Mitarbeitern ca. 700 Arbeiten veröffentlicht, mit denen er auf allen wichtigen Konferenzen und in allen angesehenen Zeitschriften vertreten war. Diese Arbeiten führten zu 45 Dissertationen unter seiner Anleitung. Hunderte von Diplom- und Studienarbeiten wurden betreut. Strasser-Absolventen findet man in allen bedeutenden Firmen der Computergraphik und verwandten Bereichen im In- und Ausland. In selbstloser Weise forderte und förderte er seine Schüler, von denen sich 8 für das Fach Informatik habilitierten. Die Relevanz seiner Forschungs- und Entwicklungsarbeiten machte 5 Firmenausgründungen möglich. Das von ihm gegründete Steinbeistransferzentrum Graphische Datenverarbeitung und Bildverarbeitung (G+B) pflegt den Kontakt zur Wirtschaft. Sein Lehrstuhl hat insgesamt ca. 10 Mio. € an Drittmitteln bei DFG, BMFT, Land Baden-Württemberg, EU und Industrie eingeworben.

1986 initiierte er die erfolgreiche Serie der Graphics Hardware Workshops, die heute ein unverzichtbarer Bestandteil im Programm der Siggraph- bzw. Eurographics-Konferenzen sind. 1988 organisierte er in Blaubeuren unter großer internationaler Beteiligung den Workshop ”Theory and Practice of Geometric Modeling”, der 1996, ebenfalls in Blaubeuren, mit großer Resonanz eine Neuauflage erfuhr. Neben der Herausgebertätigkeit für mehrere Fachzeitschriften führte er bei zahlreichen internationalen Konferenzen und Workshops den Vorsitz. Oft wurde er auch als keynote speaker zu Konferenzen eingeladen. Zusammen mit zwei Kollegen verfasste er ein Standard-Lehrbuch zur Computergraphik.
1995 wurde die Serie der Higraphics Workshops in Oberjoch ins Leben gerufen mit dem Ziel, den fachlichen und persönlichen Kontakt zur schnell wachsenden Zahl von Computergraphikgruppen ehemaliger Tübinger auf hohem fachlichem Niveau bei sicherer Schneelage zu pflegen.

Sein Freitagskolloquium der Graphischen Datenverarbeitung mit Rednern aus dem In- und Ausland war über die Jahre feste Kommunikationsplattform zwischen den Konferenzen in Deutschland und darüber hinaus.
Die wissenschaftliche Arbeit von Wolfgang Straßer wurde durch viele Ehrungen und durch die Wahl in wichtige Ämter anerkannt. So verlieh ihm die Technische Universität Darmstadt im Jahr 2000 die Ehrendoktorwürde. 2009 erhielt er in Würdigung seiner führenden Rolle im Forschungsgebiet der Computer Graphik den Ehrentitel „Honorary Fellow“ der Eurographics Association.

Wolfgang Straßer zählt zu den führenden Informatikern Deutschlands und genießt in der nationalen und internationalen Fachwelt hohes Ansehen. Nicht zuletzt wird dies auch durch die Tatsache verdeutlicht, dass nicht weniger als 19 seiner Schüler Professoren an Fachhochschulen und Universitäten wurden und renommierte Lehrstühle besetzen.

Doch nicht nur in fachlicher Hinsicht war Wolfgang Strasser ein außergewöhnlicher Mensch. Er wusste seine durch harte Arbeit errungenen Erfolge einzuordnen und betonte, dass man die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nicht vergessen soll. Er selbst nannte hier zuerst seine Familie, aber auch Tiere, Sport und Musik. Reiten, Segeln, Berge, Wildwasser und Ski gehörten ebenso zu ihm wie Kammermusik und Klavierspiel.

Wie kaum ein Zweiter verband er in vorbildhafter Weise eine erfolgreiche berufliche Tätigkeit mit der Kunst des Lebens. Er konnte arbeiten und genießen. Auf seinen zahlreichen Konferenzreisen pflegte er nicht nur fachlichen Austausch, sondern knüpfte zahllose intensive persönliche Kontakte und Freundschaften und wurde so vielen Kollegen zum wertvollen Ratgeber.

Wir sind tief betrübt über den plötzlichen und unerwarteten Verlust von Wolfgang Strasser. Er wird uns sehr fehlen. Unser besonderes Mitgefühl gilt seiner Frau, seiner Familie und seinen Angehörigen.

Prof. Dr. Andreas Schilling

Dies ist die Website des ehemaligen Lehrstuhls Graphisch-Interaktive Systeme GRIS, dessen Leiter Prof Straßer zum Ende des SS 2009 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Seine Nachfolger sind Prof Lensch (www.graphics.uni-tuebingen.de) und Prof Schilling.



Kurzportrait des Lehrstuhls

Gris 2006

Der Lehr- und Forschungsbereich Graphisch-Interaktive Systeme am Wilhelm-Schickard-Institut für Informatik (WSI/GRIS) wurde im Oktober 1986 mit der Berufung von Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Wolfgang Straßer an die Universität Tübingen gegründet.

Zentrale Themen des Bereichs sind der Entwurf und die Realisierung graphisch-interaktiver Systeme. Hierzu gehören insbesondere die Entwicklung graphischer Algorithmen, ihre effiziente Umsetzung in Hardware (VLSI) und Software, Rechnerarchitektur für Multiprozessorlösungen und Softwarekonzepte zu deren Programmierung. [interner Link] Mehr...


Letzte Änderung 23.07.2015 - 17:49 Uhr   |   Fehler an Webmaster melden